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Roque de los Muchachos

La Palma kann von Deutschland aus in 4,5 h erreicht werden. Die Insel ist infrastrukturell sehr gut erschlossen, so dass auch viele astronomisch interessante Boebachtungsplätze erreicht werden können.

Wetter

In tieferen Lagen weht häufig der NO-Passat, dessen Luftmassen Feuchtigkeit aus dem Antlantik aufnehmen, die als tiefe Wolken dann im Norden und Osten "angespült" werden. Im Sommer reichen diese Wolken bis ca. 1000m über den Meerespiegel, wohin gegen im Winter es bis zu 1800m sein können. Der Roque de los Muchachos ist die höchste Erhebung der Insel, die praktisch einen risiegen erloschenen Vulkan darstellt. Von Norden nach Süden wird die Insel von einem Berkamm geteilt, der als Wetterscheide fungiert. Die bereits erwähnten Passatwolken stauen sich im Osten und sofern sie höher liegen "schwappen" sie in den Westen der Insel. Meist lösen sie sich dabei auf, so dass bei NO-Wind der Süden und Westen nachts wolkenfrei sind. Oft jedoch lösen sich die letzten Wolkenfetzen erst gegen Mitternacht auf.

La Palma profitiert von langen Schönwetterphasen (südlicher Hochdruckgürtel) und seiner ausgezeichneten Lage im Meer. Diese beiden Faktoren zusammen mit Höhenlagen über 2000m, in denen ein trockenes Klima mit relativer Luftfeuchte oft unter 30% vorherrscht, lässt diese Insel zu einem idealen Beobachtungsstandort werden. Vor allem im Sommer kann mit sehr langen stabilen Hochdruckwetter gerechnet werden. Die Nähe zur Sahara führt allerdings vor allem im Sommer zu Wetterlagen, die Staub aus eben jener Wüste heranträgt. Dann ist der Horizont tagsüber nicht mehr zu erkennen und die Fernsicht schlecht. Begleitend hinzu kommen dann enorme Temperatursprünge, die im Sommer sehr unangenehm sind. Sie treten häufig ab Juli bis Ende August auf. Im Jahr 2007 hingegen fast gar nicht. Sie kündigen sich durch Ostwind an, wobei der Staub in seinem Schlepptau i.d.R. 1-2 Tage auf sich warten lässt. Ein anderes Wetterphänomen sind Zirruswolken, die oft von Süden bzw. Südwesten z.T. tagelang über die Insel hinwegziehen. Der Nordost Passat bestimmt das Wettergeschehen bis in die mittleren Höhenlagen der Insel. Seine Grenze wird durch die Wolkendecke bestimmt. Darüber sorgt ein Scherwind zumeist aus NNW für die trockene Luft und zudem für nahezu ganzjährig konstante Nachttemperaturen, die durch die permanente Inversionsschicht oft höher ist als in mittleren Höhenlagen. Er verhindert auch das Aufsteigen der Passatwolken, die Nachts wie "Kähne" über dem Meer an der Insel vorbeizutreiben scheinen. Die Nachttemperaturen fallen nur selten unter die Nullgradgrenze. Schnee auf dem Roque de los Muchachos ist selten und tritt wenn dann häufig im Februar auf.

Gute Beobachtungsbedingungen findet man deshalb im Westen und die besten im Nordwesten der Insel. Der Norden ist geringer besiedelt als die anderen Gegenden. Die größten Städte sind Los Llanos de Aridane im Westen und St. Cruz de La Palma im Osten. Im Süden befinden sich mittlerweile auch Hotelanlagen, die zur Lichtverschmutzung beitragen. Im Nordwesten der Insel tauchen deshalb kleine Lichtdome im Süden bzw. Südenosten auf. Diese sind aber visuell nicht besonders störend zumal ab Mitternacht ohnehin ein Großteil der Beleuchtung auf der Insel abgeschaltet wird.

Degollada de los Franceses

Auf dem Roque gibt es die besten Bedingungen abgesehen vom Wind der in einer Höhe von über 2000m auftreten kann. Der Himmel erreicht meiner Schätzung nach auf der Bortle Skala meist einen Wert von 2. Der Wind ist auch der Grund warum man auf sehr gute Winterbekleidung nicht verzichten sollte. Dies gilt bei mir auch bei höherer Luftfeuchte, bei der ich stets früher oder später ins "bibbern" gerate und zeitweise Schutz im Auto suchen muss. Temperaturen und Luftfeuchte können hier relativ stark varieren: Die Luftfeuchte kann sich innerhalb einer Stunde um 50% verändern (ohne das Wolken der Grund sind) und Temperaturen um 6-7 Grad fallen bzw. steigen. Eine Verbindung zwischen Windrichtung und Luftfeuchte ist schwer einzuschätzen. Während der NNW-Wind häufig trockene und relativ warme Höhenluft bringt, ist der Nordwind - wie man erwarten würde - eher kälter. Bzgl. der Windstärke sind Beobachtungsplätze unterhalb der Teleskope an der Straße sehr gut geeignet. Hier ist meiner Erfahrung nach die Windstärke am geringsten. Plätze innerhalb des Observatoriengeländes sind ohnehin wegen der fehlenden Zufahrtsmöglichkeit nicht erreichbar. Darüber hinaus weht der Wind dort oft auch deutlich stärker, wie ich es selbst erfahren konnte.

Im übrigen sind die Windgeschwindigkeiten in den verschiedenen Höhenlagen sehr unterschiedlich. Während es in tieferen und mittleren Lagen stark windig sein kann, herrscht aufgrund der schon beschriebenen unterschiedlichen Wettersysteme in den Gipfellagen gar kein Wind. Oft ist es aber eher umgekehrt.

Teneriffa

Manchmal ist die Caldera vor allem im Winter durch das "Wolkenmeer" vollständig bedeckt. Dann ragen nur die höchsten Erhebungen der Insel heraus. Auf dem Roque sind das Voraussetzungen für einen vollkommen streulichtfreien Nachthimmel.

Ausblick von der Degollada

Die Degollada de los Franceses ist bei deutschen Touristen und Astrofotografen als "Aussichtsplattform" bekannt. In der Tat handelt es sich um einen mit Steinen gepflasterte Terrasse neben der Straße hoch oben auf Bergkamm der die Caldera einschließt. Er bietet einen atemberaubenden Ausblick auf die Insel und sollte auch nachts einmal aufgesucht werden. Gepflasterten Untergrund findet man selten auf dem Roque. Im Feld ist man meist mit felsigen Boden und losem Geröll konfrontiert der in der Regel auch von feinem losem Staub umgeben ist. Dieser Staub ist so fein, dass er beim Auftreten in alle Richtungen zerstiebt sogar in der Nase einen charkteristischen Geruch hinterlässt.

Degollada de los Franceses

Lausige Bedingungen in der Degollada. Calima & hohe Luftfeuchte mindern die Himmelsqualität sehr stark.

In der Degollada herscht oft ein böiger Wind aus unterschiedlichen Richtungen. Er legt sich zumeist aber im Laufe der Nacht, kann aber trotzdem sehr heftig ausfallen. Herrscht hingegen auch tagsüber Wind aus NNW, so ist man durch einen hohen Felsen in dieser Richtung windgeschützt. Man hört dann den Wind als Rauschen wie er über den Bergkamm fährt. Völlig ungeschützt ist man bei Wind aus Nordosten bzw. Osten. Kommt der Wind aus Süden bzw. Norden, so steigt er manchmal den Bergkamm von unten kommend herauf. Ich habe dies mehrmals erlebt. Am Geländer der Aussichtsplattform schien es mich fast weg zu wehen während ein bis zwei Meter dahinter vom Wind ausser dem Pfeifen nichts zu spüren war.

Calima

Blick Richtung Sta. Cruz de La Palma. Im Gegenlicht ist der durch den Ostwind heran getragene Wüstenstaub zu erkennen.

Generell sollte bei der Auswahl der Gerätekombination auf die windanfälligkeit geachtet werden. Montierungen, die in Deutschland bei Windstille an ihrer Leistungsgrenze betrieben werden, sollten vor allem in den Höhenlagen mit deutlich kleineren Instrumenten ausgestattet sein.

Eine gute Beobachtungsmöglichkeit bieten auch viele Casas Rurales (Landhäuser). Hier handelt es sich zumeist um meist abgelegene kleine Wohnhäuschen, die gerade in mittleren Höhenlagen im Nordwesten einen guten Kompromiss zwischen Bequemlichkeit und Himmelsqualität bieten. Der Himmel unterscheidet sich gegenüber dem auf dem Roque wenig bis gar nicht, ausgenommen dem Seeing. Dies ist aufgrund der höheren Tagestemperaturen und der Termik an den Berghängen vor allem in der ersten Nachthälfte nicht so gut. Aufgrund des steilen Geländes sind Plätze mit perfekter Rundsicht auf La Palma eher selten. Für Naturliebhaber ist eine Nacht inmitten der herrlichen Landschaft aber auch schönes Erlebnis und manchmal auch eindrucksvoller als auf dem kargen und windigen Roque. Der Himmel an meiner Unterkunft, die ich regelmäßig beziehe wenn ich in La Palma bin, hat Bortle 1-2.

La Podona

La Podona bei Sonnenuntergang. Mehr Infos gibt es hier...